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Schuldenstreit in den USA – Quo Vadis?

Schachfiguren symbolisieren den Schuldenstreit in den USA vor dem Kapitol.

Die Medien haben sich fast täglich auf das Thema eingeschossen: Der Schuldenstreit in den USA und das drohende Erreichen der Schuldenobergrenze. Für Anleger stellt sich wie so oft die bange Frage: Müssen wir mit einem globalen Marktbeben rechnen?

Wie immer wagen wir den Blick auf das große Ganze. Wir betten die scheinbar dramatischen Entwicklungen in den langfristigen Kontext ein, den es als gelassener und wissenschaftlich orientierter Kapitalmarktinvestor braucht.

Worum geht es bei dem Streit überhaupt?

Streitigkeiten über Schulden und Haushaltsausgaben sind in den USA alles andere als neu. Diese zähen Verhandlungen werden in schöner Regelmäßigkeit geführt, sobald die gesetzlich festgeschriebene Schuldenobergrenze (zuletzt bei gigantischen 31,4 Billionen US-Dollar) erreicht wird. Doch selten wirken die Fronten in Washington so unversöhnlich wie in jüngster Zeit.

Auf der einen Seite stehen die Demokraten unter Präsident Joe Biden, die teure Kernprojekte wie Klimaschutzinvestitionen, die Entlastung hochverschuldeter Studenten sowie substantielle militärische und humanitäre Hilfen finanzieren müssen. Auf der anderen Seite nutzen die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus als wirksames Vetorecht. Für sie ist der Haushaltsstreit die perfekte Bühne, um im Vorfeld anstehender Wahlen politische Muskeln zu zeigen und der Regierung Steine in den Weg zu legen.

Gibt es ein echtes Bankrott-Risiko für die USA?

Kurz gesagt: Nein, die USA können de facto nicht bankrottgehen. Ein klassischer Staatsbankrott tritt dann ein, wenn ein Land seine Schulden in einer fremden Währung nicht mehr bedienen kann. Die USA sind jedoch ausschließlich in ihrer eigenen Landeswährung – dem US-Dollar – verschuldet. Die amerikanische Notenbank (Fed) ist im absoluten Ernstfall theoretisch immer in der Lage, unbegrenzt frische US-Dollar zur Verfügung zu stellen.

Was jedoch passieren kann, ist eine vorübergehende Zahlungsunfähigkeit (technischer Verzug), weil der politische Prozess blockiert ist. Die unmittelbaren Folgen wären unangenehm: Staatsbedienstete müssten vorübergehend auf ihr Gehalt warten, Rentenzahlungen könnten stocken und Ratingagenturen würden die Kreditwürdigkeit der USA herabstufen. Dies wiederum würde die Zinsen auf Staatsanleihen steigen lassen und an den globalen Aktienmärkten kurzfristig für spürbare Nervosität und Kursausschläge sorgen.

Der Blick zurück: Was lehrt uns die Geschichte?

Da wir keine Glaskugel besitzen, richten wir den Blick auf historische Parallelen. Der intensivste Schuldenstreit der jüngeren Geschichte fand im Jahr 2011 statt. Damals einigten sich die Parteien erst winzige zwei Tage vor dem Ablauf der Deadline auf eine Anhebung der Obergrenze.

„Die Börse reagierte im Sommer 2011 mit deutlichen Abschlägen auf die Unsicherheit – doch diese Turbulenzen waren von kurzer Dauer.“

Werfen wir einen Blick auf die nackten Zahlen des S&P 500 Index (der die 500 größten US-Unternehmen abbildet) während des turbulenten Krisenjahres 2011:

Monat (2011) Kurs des S&P 500 (in USD)
Januar 20111.270 USD
März 20111.320 USD
Mai 20111.340 USD
August 2011 (Höhepunkt des Streits)1.180 USD
September 20111.150 USD
Dezember 2011 (Erholung)1.260 USD

Obwohl der Index im Spätsommer um rund 14 % nachgab, hatte sich der Markt bereits zum Jahreswechsel fast vollständig wieder erholt. Und die langfristige Perspektive? **Heute steht der S&P 500 fast viermal so hoch wie während der damaligen Krisenstimmung.**

Die langfristige Perspektive ausblenden? Besser nicht.

An einer tatsächlichen, dauerhaften Eskalation kann keine politische Seite in den USA ein ernsthaftes Interesse haben. Das Risiko, dass die Wähler der eigenen Partei die Schuld für einen wirtschaftlichen Schaden zuschreiben, ist im darauffolgenden Wahlkampf schlicht existenzbedrohend. Ein Kompromiss wird daher fast immer in letzter Sekunde gefunden.

Und was, wenn es doch zu heftigen Marktreaktionen kommt?

In unseren Beratungsgesprächen betonen wir stets ein klares Prinzip: Betrachten Sie kurzzeitige Marktkrisen niemals als Grund zum panischen Verkauf, sondern im Gegenteil als erstklassige Kaufgelegenheit. Die Wahrscheinlichkeit, Qualitätsaktien jemals wieder zu so günstigen Einstiegskursen zu erwerben, ist in ruhigen Marktphasen verschwindend gering.

Alternativ lautet das Gebot der Stunde schlicht: Aussitzen und das Rauschen ignorieren. Weder Donald Trump, noch die globale Corona-Pandemie oder der verheerende Ukraine-Krieg haben die Weltwirtschaft dauerhaft aus der Bahn geworfen. Warum sollte es dieses Mal beim US-Haushalt anders sein?

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