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Mit nachhaltigen Investments die Welt retten?

Pflanze die aus einem Geldtopf wächst

Das Interesse an nachhaltigen Geldanlagen boomt. Immer mehr private Anleger möchten ihr Erspartes so investieren, dass es ökologisch und sozial vertretbar arbeitet. Doch kann man mit nachhaltigem Investieren wirklich die Welt retten?

Um das Thema rational zu durchdringen, müssen wir zunächst klären, dass es für „Nachhaltigkeit“ am Finanzmarkt keine einheitliche Definition gibt. Die Finanzindustrie nutzt diesen Spielraum intensiv und plakatiert unzählige Fonds mit Stempeln wie „Nachhaltig“ oder „ESG“ (Environmental, Social, Governance). Zwar ist die Identifikation von Nachhaltigkeitsrisiken in diesen drei Bereichen ein wichtiger erster Schritt – wie konsequent und streng diese Kriterien in der Praxis jedoch umgesetzt werden, unterscheidet sich von Produkt zu Produkt drastisch.

Ein anerkannter wissenschaftlicher Kompass für echtes, nachhaltiges Denken stammt aus dem Brundtland-Bericht der Vereinten Nationen:

„Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“

Die Dschungel der Nachhaltigkeitsstandards und die Greenwashing-Gefahr

Für die Umsetzung im eigenen Portfolio bedeutet das: Es geht nicht zwingend darum, mit jedem Investment die Welt aktiv zu verbessern, sondern sie zumindest nicht schlechter zu machen. Das umfasst beispielsweise den konsequenten Ausschluss von Unternehmen, die Kohle verstromen, Atomwaffen herstellen, Kinderarbeit zulassen oder durch Korruption auffallen.

Wie extrem sich die gängigen Nachhaltigkeitsstandards am Markt jedoch im Detail unterscheiden, zeigt die folgende Übersicht. Sie verdeutlicht, warum die Gefahr von „Greenwashing“ in der Finanzindustrie nach wie vor sehr real ist:

Ausschlusskriterien verschiedener Nachhaltigkeitsstandards

Abbildung 1: Analyse der Ausschlusskriterien gängiger ESG- und SRI-Indexfamilien. Quelle: Eigene Untersuchung.

Während einige Indizes (wie der strenge MSCI SRI) konsequent kontroverses Verhalten, Waffen, Atomkraft, Pornografie, Öl und Tabak ausschließen, beschränken sich breitere ESG-Ansätze (wie MSCI ESG Screened) auf minimale Basisausschlüsse. Wer unvorbereitet investiert, hält oft ungewollt Branchen im Depot, die er eigentlich ausschließen wollte.

Der Preisfindungsmechanismus: Wie Kapitalmärkte wirklich funktionieren

Besonders ambitionierte Anleger investieren gerne in sogenannte Impact-Fonds mit dem Ziel, eine direkte, positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft zu erzielen. Um zu verstehen, warum dieser Hebel oft überschätzt wird, muss man die grundlegende Funktionsweise der Kapitalmärkte betrachten.

Die Börse, an der Aktien gehandelt werden, ist ein reiner Sekundärmarkt. Das bedeutet: Es wird mit Wertpapieren gehandelt, die sich bereits im Umlauf befinden. Wenn Sie eine Aktie kaufen, geht dieses Geld nicht an das jeweilige Unternehmen, sondern an den vorherigen Eigentümer (den Verkäufer), der seine Aktie veräußern wollte.

Preisfindungsmechanismus an der Börse

Abbildung 2: Der klassische Preisfindungsmechanismus aus Angebot und Nachfrage an liquiden Börsenmärkten.

Natürlich hat ein steigender Aktienkurs indirekte Vorteile: Das Eigenkapital des Unternehmens wird gestärkt, was die Kreditkonditionen für das operative Geschäft verbessern kann. Dennoch ist der direkte ökologische oder soziale „Impact“ eines reinen Aktienkaufs am Sekundärmarkt wissenschaftlich extrem schwer messbar und verschwindend gering.

Etwas anders verhält es sich bei festverzinslichen Wertpapieren (Anleihen bzw. Bonds). Diese werden oft direkt emittiert, um konkrete Projekte zu finanzieren – hier ist der Hebel größer, wenngleich auch hier noch tiefergehende wissenschaftliche Langzeitbelege ausstehen.

Warum nachhaltige Geldanlagen trotzdem wirken

Obwohl wir mit einem nachhaltigen Aktiendepot nicht im Alleingang das Klima retten, wäre es falsch, das Thema komplett zu ignorieren. Der Zufluss in nachhaltige Anlageklassen ist mittlerweile so gigantisch gewachsen, dass die kollektive Nachfrage der Anleger einen spürbaren Druck auf die Vorstände der globalen Konzerne ausübt:

Wachstum nachhaltiger Publikumsfonds und Mandate in Deutschland

Abbildung 3: Entwicklung nachhaltiger Publikumsfonds, Mandate und Spezialfonds in Deutschland (in Milliarden Euro). Datenquelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. (FNG).

Unternehmen, die ESG-Kriterien ignorieren, riskieren in Zukunft den Ausschluss aus den großen Indizes – und verlieren damit den Zugriff auf Milliarden an Investorengeldern. Dieser Marktmechanismus zwingt Konzerne weltweit zu mehr Ressourceneffizienz und sozialer Verantwortung.

Einfach und automatisiert anlegen – ganz ohne Beratung

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Fazit: Investieren mit klarem Wertekompass

Ein nachhaltiges Investment ist kein Freifahrtschein für ein unnachhaltiges Konsumverhalten im Alltag. Es ist vielmehr eine persönliche Grundsatzentscheidung darüber, wie Sie Ihr Geld verdienen möchten.

Daher gilt: Unterordnen Sie Ihre finanzielle Sicherheit und Rendite niemals blind einem vermeintlichen „Impact-Versprechen“. Streuen Sie Ihr Risiko weltweit so breit wie möglich, investieren Sie mit einem klaren, vernünftigen Wertekompass und lassen Sie die Kräfte des globalen Kapitalmarkts langfristig und ohne schlechtes Gewissen für sich arbeiten.

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