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Zinsniveau sichern: Ist es jetzt sinnvoll?

In den letzten Jahren hat uns das Thema Anleihen und Rentenmärkte intensiv beschäftigt. Nach einer langen Phase der Nullzinsen erlebten wir in 2022 und 2023 einen massiven Zinsanstieg, der viele vertraute Spielregeln der Geldanlage durcheinandergewirbelt hat.

Heute stehen wir vor einer völlig neuen Ausgangslage: Renditen von über 4 % in Rentenfonds sind wieder möglich – ein Niveau, das wir fast anderthalb Jahrzehnte nicht mehr gesehen haben. Doch wie verhält man sich als kluger Anleger in diesem Umfeld? Macht es Sinn, sich das aktuelle Zinsniveau langfristig zu sichern? Um das zu beantworten, müssen wir verstehen, wie Anleihen im Kern funktionieren.

Wie funktionieren Anleihen im Zinszyklus?

Das Wort Rente leitet sich historisch aus dem altfranzösischen „rendre“ (zu Deutsch: Ertrag oder wiedergeben) ab. Im deutschen Sprachgebrauch stand es lange Zeit für den regelmäßigen Zins – daher sprechen wir auch heute noch von Rentenfonds.

Eine Anleihe besitzt einen festen Zinssatz (Kupon) und wird am Ende ihrer definierten Laufzeit zu 100 % des Nominalwerts zurückgezahlt. Sofern der Herausgeber (Emittent) nicht zahlungsunfähig wird, ist Ihr Rückzahlungsbetrag garantiert. Während der laufenden Spielzeit kann der Kurs der Anleihe an der Börse jedoch schwanken:

Zusammenhang von Zinsen und Anleihekursen

Abbildung 1: Die inverse Beziehung zwischen Zinsen und Anleihenkurse (vereinfachte Darstellung).

Steigt das allgemeine Zinsniveau am Markt über den festen Zinssatz Ihrer bestehenden Anleihe, sinkt deren Kurs unter 100 %. Durch diesen Abschlag wird die Zinsdifferenz für potenzielle Käufer bis zur Endfälligkeit ausgeglichen. Sinken die Zinsen am Markt hingegen, steigt der Kurs Ihrer Anleihe über 100 %.

Anleihen im Vergleich zu Aktien und Immobilien

Im Vergleich zu Aktien schwanken hochwertige Anleihen in der Regel deutlich geringer. Bei einer Aktie gibt es keine feste Laufzeit, keine garantierte Rückzahlung zu 100 % und die jährliche Dividende wird auf der Hauptversammlung jedes Jahr völlig neu verhandelt.

Bei einer vermieteten Immobilie lässt sich die Verzinsung zwar über das Verhältnis von Mieteinnahmen zum aktuellen Verkehrswert ermitteln, doch von dieser Rendite müssen laufend Kosten für Instandhaltungen und Verwaltung abgezogen werden. Zudem erfährt man den tatsächlichen Wert einer Immobilie meist erst dann, wenn man sie wirklich verkauft.

Die Zinsentwicklung im historischen Kontext

Im Jahr 2022 erlebten viele Rentenfonds zweistellige Verluste. Dies verunsicherte viele Anleger massiv, da man solche Schwankungen bisher nur von Aktienfonds kannte. Ein Blick auf die historischen Daten der Deutschen Bundesbank relativiert diese Phase jedoch eindrucksvoll:

Historische Renditen für Bundesanleihen

Abbildung 2: Renditen (Zinsen) für deutsche Bundesanleihen verschiedener Laufzeiten im historischen Verlauf. Quelle: Deutsche Bundesbank.

Die Tabelle verdeutlicht: Nach den historischen Höchstständen um die Jahrtausendwende (wo zweijährige Anleihen bei 4,5 % und dreißigjährige bei 5,8 % rentierten) folgte eine lange, beispiellose Phase sinkender und schließlich negativer Zinsen bis in das Jahr 2021 hinein. Der abrupte und steile Zinsanstieg ab Ende 2022 war historisch einmalig schnell – brachte uns aber auch die lang ersehnte Rendite zurück.

Wie geht es jetzt weiter und was sollten Sie tun?

Die drastischen Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank (Fed) sollten die Inflation eindämmen. Da sich ein stabiler Trend zu rückläufigen Inflationsraten abzeichnet, agieren die Notenbanken bei weiteren Schritten mittlerweile spürbar vorsichtiger, um die Wirtschaft vor einer zu tiefen Rezession zu schützen.

„Sobald die Inflation sich dauerhaft der Zielmarke von 2 % nähert, ist davon auszugehen, dass die Zinsen wieder gesenkt werden, um die Wirtschaft zu stützen.“

Sollte die Inflation weiter zurückgehen, ist es eine hervorragende Idee, sich das aktuelle, attraktive Zinsniveau durch den gezielten Kauf von Rentenfonds mit längeren durchschnittlichen Laufzeiten (Durationen) langfristig zu sichern. Sinkt das Zinsniveau im Anschluss wieder, profitieren Sie doppelt: Sie sichern sich dauerhaft hohe Ausschüttungen und verbuchen zusätzlich Kursgewinne bei den Anleihen in Ihrem Fonds.

Dafür muss jedoch auch die bewusste Bereitschaft vorhanden sein, die Schwankungen einer eventuellen, unvorhergesehenen weiteren Zinssteigerung vorübergehend gelassen auszusitzen.

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